Certo Dollinas

 

Dollina nannte der Dresdener Kamerahersteller Certo seine Faltbalgenkamera für die Kodak 35 mm Filmpatrone, welche schon 1935, also nur ein Jahr nach deren Einführung auf den Markt kam. Es gab nacheinander drei Gehäusegrundtypen mit den unterschiedlichsten Objektiv- und Verschlussbestückungen. Die letzten Kameramodelle, die vor dem Krieg gebaut wurden, waren dann auch gleich die ersten, die nach dem Krieg wieder neu aufgelegt wurden. Denn vorsorglich hatte der Firmenchef Fritz von der Gönna noch im April 1945 die Werkzeuge für die Herstellung der Super Dollina zur Aufbewahrung an zuverlässige Mitarbeiter verteilt. So konnte man bereits ein Jahr später mit der Aufnahme der Produktion beginnen und auf der Leipziger Messe 1951 bereits neu entwickelte Modelle, die Super-Dollina II und die Certo Durata II, vorstellen.

 

Die erste Modellreihe: Dollina, Dollina I und Dollina 0

Dollina  (1935)

Das erste Modell war die unverwechselbare Dollina (ohne weitere Bezeichnung), die zum Fokussieren einen Knopf auf der Oberseite zum Verstellen der Schärfe besaß. Die Klappe vor dem Objektiv öffnete sich – wie bei allen folgenden Certo Modellen – nach unten. Spätere Modelle (Dollina I) bekamen einen Gehäuseauslöser und waren verchromt. Sie kostete je nach Ausführung zwischen 78.- und 104.- RM. Es gab sie mit einem Compur Verschluss (bis 1/300) und folgenden Objektiven:

Meyer Trioplan 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Schneider Radionar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2,8 (4 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2.9 (5 Linsen)

Steinheil Cassar 5cm f/=1/2.9 (3 Linsen)

Dollina I  (1936)

Es folgte die Dollina 0, eine preiswertere Kamera in den unterschiedlichsten Ausführungen mit Objektivfokussierung, die mit und ohne Zubehörschuh daher kam. Folgende Objektiv-Verschluss-Kombinationen standen zur Verfügung:

Certar 5cm f=1/4.5 (3 Linsen) mit Automat 1/25-1/100

Certar 5cm f=1/4.5 (3 Linsen) mit Vario 1/25-1/100

Certar 5cm f=1/4.5 (3 Linsen) mit Pronto bis 1/200

Certar 5cm f=1/2.9 (4 Linsen) mit Compur bis 1/300

Dollina 0  (1936)

 

Die zweite Modellreihe: Dollina II

Dollina II  (1936/37)

Der ursprüngliche Fokussierknopf der Dollina I war auf die Oberseite des Entfernungsmessers verlegt und steuerte nun sowohl diesen als auch die Objektiveinstellung. Der Verschluss war entweder ein Compur 300 oder ein Compur-Rapid 500. Die frühe Version war schwarz lackiert, die seltenen späten Modelle verchromt. Sie kostete damals – je nach Bestückung - zwischen 98.-  und 145.- RM, war damit deutlich preisgünstiger als vergleichbare Modelle der Mitbewerber, etwa die Retina II von Kodak-Nagel oder die Weltini von Welta. Dennoch lagen die Stückzahlen der verkauften Dollinas weit unter denen der oben genannten Konkurrenzmodelle. Als Objektiv für die Dollina II standen zur Wahl:

Schneider Radionar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2.9 (4 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2,8 (5 Linsen)

Schneider Xenon 5cm f=1/ 2 (6 Linsen)

Schneider Xenon 4,5 cm f=1/ 2 (6 Linsen)

Steinheil Cassar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 5cm f=1/2,8 (4 Linsen)

 

Die dritte Modellreihe: Dollina III

Dollina III  (1938)

Die Dollina III war ein Spitzen-Modell, mit einem Fokussierknopf auf der Oberseite wie schon ihre Vorgängerin und ein gekoppelter Entfernungsmesser. Doch nun war dieser in das Kameragehäuse integriert. Dieses war im Bereich der Objektivstandarte nach vorne gezogen und gerundet. Es bot dem Objektiv mehr Platz, so dass die Kameraklappe flach ausfallen konnte. Die Klappe und das gesamte obere Gehäuse waren verchromt. Die Dollina III wurde nur für eine kurze Zeit gebaut und von der Super Dollina abgelöst. Sie ist daher recht selten. Auch hier war der Verschluss entweder ein Compur 300 oder ein Compur-Rapid 500. Als Objektiv für die Dollina III standen zur Wahl:

Schneider Radionar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2.8 (5 Linsen)

Schneider Xenon 5cm f=1/ 2 (6 Linsen)

Steinheil Cassar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 5cm f=1/2.8 (4 Linsen)

 

Die letzte Generation: Super Dollina (Vorkriegsmodell), Super Dollina II (Nachkriegsmodell)

Super-Dollina  (1939) Super-Dollina II  (1951)

Die Super Dollina ersetzt die Dollina III im oberen Preissegment.  Sie hatte ebenfalls einen gekuppelten Entfernungsmesser nur war dieser jetzt in das Gehäuse integriert. Die Entfernungseinstellung ist auf die rechte Seite der Kamera verlegt und gestattet es, die Kamera während der Einstellung der Entfernung und Betätigung der Gehäuseauslösung ruhig und fest in beiden Händen zu halten. Die Super Dollina wurde sowohl vor als auch nach dem Krieg gebaut. Das Vorkriegs- unterscheidet sich zum Nachkriegsmodell durch wesentlich höhere Drehknöpfe für den Filmtransport. Der Verschluss der Super Dollina von 1938 war entweder ein Compur 300 oder ein Compur-Rapid 500.  Man konnte unter folgenden Objektiven wählen:

Friedrich Doppel Anastigmat Corynar 5cm f=1/2.7 (3 Linsen)

Meyer Trioplan 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Schneider Xenar 5cm f=1/2.8 (5 Linsen)

Schneider Xenon 5cm f=1/2,0 (6 Linsen)

Steinheil Cassar 5cm f=1/2.9 (3 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 5cm f=1/3.5 (4 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 5cm f=1/2.8 (4 Linsen)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Transporträder der Super Dollina II durch flachere ersetzt.  Die Super Dollina II war ein Spitzenprodukt der DDR und wurde bis Anfang der 70er Jahre produziert. Sie ist noch verhältnismäßig häufig anzutreffen. Sie wurde unter den Namen Super 35 ins Ausland (auch in die USA) exportiert.

Es gab sie mit folgenden Verschlüssen:

Cludor bis 1/200

Vebur bis 1/250

Compur-Rapid bis 1/500

Synchro-Compur bis 1/500

An  Objektiven für die Super Dollina II standen zur Wahl:

Ludwig Meritar 50mm f=1/2.9 (3 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 50mm f=1/3.5 (4 Linsen)

Carl Zeiss Jena Tessar 50mm f=1/2.8 (4 Linsen)

Ausschließlich für den Export bestimmt war folgende Kombination:

Rodenstock Heligon 50mm f=1/ 2,0 mit einem Synchro-Compur bis 1/500

 

 

Die ärmeren Nachkriegskinder: Durata und Durata II

Durata  (1947)

Die Durata war eine preiswerte Variante der Super Dollina II ohne Entfernungsmesser.     Das erste Modell hatte noch einen faltbaren optischen Sucher auf der flachen oberen Gehäuseabdeckung. Als Verschluss für die Durata kam der einfache  Prontor II zum Einsatz, als Objektiv das recht lichtschwache Rodenstock Trinar 45mm f=1/3.5 (3 Linsen)

Durata II  (1951)

Die Durata II wurde das im Aussehen geänderte Folgemodell, mit einem in die Abdeckplatte integrierten Sucher, was ihr auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit mit der Super Dollina II verlieh. Diese beiden sollten dann auch die letzten Klappkameras sein, die in Ostdeutschland gebaut wurden. In der Durata II wurden standardmäßig der Cludor 200 Verschluss und das Meyer Trioplan 50mm f=1/2.9 (3 Linsen) verbaut. In der Folgezeit sanken die Produkte der in früheren Tagen einfallsreichen und nie um Novitäten verlegenen Firma Certo immer mehr im Niveau herab, bis schließlich zu allerschlichtesten Amateurkameras wie die Rollfilm Kameras CertoPhot, Certina und die Massenplaste SL 110 für den Rapid ähnlichen Schnellladekassettenfilm des Ostens.

Copyright © Reinhard Krahé