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Kodak Retina III C (Typ 028)

Die erste und die letzte ihrer Art:

Das Urgestein, die Retina Typ 117 (vorne) und die beste, schwerste und teuerste (hinten)

26 Jahre liegen zwischen diesen beiden Retinas. Sowie die Ära der NS-Herrschaft, der II. Weltkrieg, Zusammenbruch, Besatzungszeit, Währungsreform, Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und mehr als 1.6000.000 produzierte Kameras. Von den Abermillionen verkauften und verknipsten Kleinbildfilmen, die ja mit der Retina erst so richtig populär wurden, mal gar nicht zu reden.

Nur noch ein Dinosaurus???

Sie und das Schwestermodell, die >>> Retina IIC >>>, welche ohne Belichtungsmesser daherkam, die letzten*) ihrer Art? Nach 1960 wollte und baute kein Mensch mehr Klappkameras, auch Kodak nicht mehr. Es gab zwar auch noch weiterhin Retinas, aber eben mit fest eingebauten Objektiven. Und abgesehen davon, dass die Klappkameras in geschlossenem Zustand kompakter waren, an Gewicht waren sie eher schwerer als die "Festen", mit Sicherheit jedoch sehr viel schwerer als die 250 g leichteren und so beliebten Retinas der Anfangszeit. Und aufgeklappt sogar größer als Nichtklappbare.

Unten: Die Retina III S von 1958, eine der ersten Retinas mit festem Objektiv, wurde immerhin schon 45.000 mal verkauft. Das Gehäuse gleicht dem der II C.

Das Argument der leichten Westentaschenkamera war nun wahrhaftig nicht mehr zu vertreten. Und kompliziert waren sie durch all die zusätzlichen Ausstattungsmerkmale auch noch geworden. Das Ende dieser Kameraära deckte sich mit dem Beginn der Kleinbildautomatikkameras (z.B. präsentierte Agfa mit der Optima für einen Hunderter weniger die erste vollautomatischen Großserien-Kamera, sowohl Zeit als auch Blende werden durch die "magische Taste" stufenlos eingestellt) .und der - vor allem japanischen - Spiegelreflex-Ära. Einen Einsteiger konnte man durch leichte Bedienbarkeit werben, ein ambitionierter Amateur griff da lieber zu Spiegelreflex Vertretern. Die Verkaufszahlen brachen also drastisch ein, die Preise dadurch natürlich auch.  Es wurden zwar noch erstaunlich viel Retina III C (68.000) gebaut, doch gingen sie am Ende zu Unterpreis über den Ladentisch.  Geht man von den bloßen Stückzahlen aus, dann war die Retina Typ 28 sehr erfolgreich. Allerdings darf man den Kameraboom der späten 50er und der 60er Jahre (Stichwort: Wirtschaftswunder!) dabei nicht außer Acht lassen. Insgesamt aber ist die Kodak Retina mit all ihren Modellen eine der erfolgreichsten Kameraserien der Jahre 1934 bis 1960 und mit fest eingebautem Objektiv auch noch Jahre darüber hinaus.

Die Nachfrage bestimmt die Produktlinie: Spiegelreflex und Automatik

Die Leute in Rochester wollten immer schon und in erster Linie viel von ihrem Produkt verkaufen. Und deren Produkt ist eben Filmmaterial. Kameras zu bauen  wurde da eher als ein notwendiges Übel angesehen, das man getrost auch anderen überließ. Zur Forcierung der kommerziellen Nutzung der Filme war Kodak jedoch gerne bereit neue Wege zu gehen. Siehe halt die Geschichte der Retina und des Kleinbildfilms. Nun aber sollte wirklich jedermann (und natürlich auch jede Frau) ans Fotografieren gebracht werden, sprich: Kodak Produkte verbrauchen. Um die Distanz der Laien zu den immer noch zu technisch ausgerüsteten Gerätschaften zu überwinden, brachte Kodak nun im Abstand von jeweils rund zehn Jahren neue Konfektionierungen heraus- und zwar stets als Wegbereiter: 1963 - Instamatic Filmkassetten und Kameras; 1972 - Pocket Filmkassetten und Kameras; 1982 - Disc Filmscheiben und Kameras. Und an dem Advanced Photo System 1994 war Kodak zumindest beteiligt. Paradoxerweise war der weltgrößte Filmhersteller auch daran beteiligt, dass er sich selbst das Wasser abgraben half. In den Kodak Labors entstand nämlich ein Prototyp einer Digitalkamera.**) Während es wohl noch einige Jahre Kleinbildfilm zu kaufen geben wird - zu viele Geräte sind noch im Gebrauch und zu wenig wirklich erschwingliche Digitalkameras mit vergleichbarer Bildqualität - sind Instamatic-, Pocket- und Diskfilme nicht mehr erhältlich. Und auch das gute alte Rollfilmmaterial ist mittlerweile dünn gesäht. Die Zukunft liegt halt bei den Digitalen.

Instamatic, Disc und erste Digi (der blaue Kasten im Hintergrund

*) Eine Kleinstserie von 125 Stück des Modells III C wurde als Typ 028/N (N = Neu) 1977 noch einmal aus restlichen Teilen aufgelegt. Bis auf einen doppelt so empfindlichen Belichtungsmesser (bis 3200 ASA) war dieses späte Mädchen fast baugleich mit ihrer Vorgängerin. War sie schon damals nicht eben billig, bzw. nur als Geschenk für besondere Verdienste erhältlich, ist ein solches Gerät heute kaum zu bezahlen - falls man überhaupt eines zu Gesicht bekommt.

>>>>>> Das Modell von 1960 bzw. von 1977 >>>>>>

**) Im Alter von 25 Jahren war Steven J. Sasson 1973 gleich nach dem Studium im Labor für angewandte Forschung bei Eastman Kodak in Rochester gelandet. Mit seinem Vorgesetzten Gareth A. Lloyd sprach er kurz darauf über einen neuen Typ eines elektronischen Sensors mit Namen Charge Coupled Device, abgekürzt CCD. Dieser wandelt ein Lichtbild im Gegensatz zu dem analogen Verfahren in elektronische Daten um und speichert diese. Dabei handelt es sich um einen lichtempfindlichen Sensor, ohne den eine digitale Kamera nicht funktionieren kann. Den ersten Prototyp fertigten Steven Sasson und sein Team Ende 1975 aus einem Analog-Digital-Wandler von Motorola, einer optischen Linse aus einer Kodak-Kamera und einem CCD aus dem Hause Fairchild. Dieser Prototyp einer Digitalkamera hatte die Größe eines Toasters, war 3,6 Kilogramm schwer und in der Lage, Schwarzweiß-Aufnahmen mit einer Auflösung von 0,01 Megapixeln (10.000 Pixel) Auflösung auf einem digitalen Magnetband zu speichern. Das Gerät benötigte 23 Sekunden, um das Bild aufzuzeichnen und nochmals 23 Sekunden, um dieses auf einem Fernseher abzubilden. Sasson selbst erwartete, dass es 15 bis 20 Jahre dauern würde, bis seine Erfindung Realität werden würde.

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