AGFA KARAT KAMERAS
KAMERAS FÜR DEN AGFA KARAT FILM

Alle Karat-Kameras waren Balgenkameras. Die Objektivplatine klappte allerdings nicht heraus, sondern sprang in gerader Richtung nach vorne aus dem Gehäuse, wobei sie durch eine Scherenmechanik geführt wurde. Diese Bauweise hatte Agfa schon bei der Spreizenkamera Clack von 1930 angewandt. Eine Abdeckklappe war nicht vorhanden, das Objektiv blieb also auch bei Nichtgebrauch – anders als bei den Kameras der Konkurrenz - ungeschützt. Ihr fortschrittlichstes Merkmal war eine Doppelbelichtungssperre.

Karat 6,3

Als erstes Modell stellte Agfa die Karat 6,3 vor, sie kostete 35 RM und besaß ein Igestr f/6,3 mit den von der Leica gewohnten 50 mm Brennweite. Ihr Verschluss (Agfa Automat) bot die Einstellungen 1/25 s, 1/50 s und 1/100 s sowie selbstverständlich Dauerbelichtung. Die Frontplatte war ursprünglich im Art-Deco-Stil gehalten, 1938 abgelöst durch eine unverzierte Oberfläche.

Karat 4,5

Die Karat 4,5 unterschied sich von ihrer Vorgängerin, der Karat 6,3, durch ihr vierlinsiges Agfa Oppar Objektiv f/4,5, 55 mm und kostete nun vierzehn Mark mehr, also 49.- RM. Im Übrigen war sich mit dem Vorgängermodell baugleich.

Karat 3,5

Die Karat 3,5 kostete 75 RM, bot dafür aber nicht nur ein lichtstärkeres Objektiv, sondern auch schnellere Verschlusszeiten. Ihr Solinar f/3,5, 50 mm war bereits ein Vierlinser, an ihrem Compur Verschluss ließen sich Belichtungszeiten von 1 s bis 1/300 s einstellen. Der Compur Rapid erreichte sogar 1/500 s, dann kostete die Kamera 85 RM.

Karat 12

Im Unterschied zur Karat 36 für den Filmtyp 135 nannte man die Variante für die Karatpatronen entsprechend ihrer Bildzahl Karat 12. Mit der Karat 12 (2,8) änderte Agfa die runde, fischähnliche Gehäuseform. Neben dem achteckigen Gehäuse, verfügt die Karat 12 nun über einen Schnittbildindikator mit großflächigem Einblick, einer Kombination von Sucher und Entfernungsmesser. Dieser Schnittbildindikator machte das Schätzen der Entfernung wie bisher überflüssig. Die Karat 12 (2,8) gab es in unterschiedlichen Varianten: mit unvergütete und vergütete Optiken - unsynchronisiert und synchronisiert (ab ca. 1948) – mit unterschiedliche Gehäusekappen (ohne Prägung, mit Prägung Agfa Raute, mit Prägung Agfa Raute und Made in Germany, mit Prägung Agfa Raute und Made in Germany und Karat 12) – mit tropfenförmigem (bis ca. 1948) oder rundem (ab ca. 1948) Schnellschalthebel (Filmtransport und Verschlussaufzug) - mit oder ohne Zubehörschuh - mit oder ohne aufgeschraubtem Blendenrechner

KAMERAS FÜR DIE 35mm KLEINBILDPATRONE

Karat 36

Die Modellbezeichung Karat 36 deutet auf den Filmtyp 135 („normaler“ Kleinbildfilm) hin, den es in Längen bis zu 36 Aufnahmen gab. Ansonsten ist die Karat 36 weitgehend identisch mit der Karat 12. Es gab auch Modelle, welche oben auf dem Gehäuse den Aufdruck "Ansco Karomat" trugen und auf deren Gehäuseboden "Made for Ansco - by AGFA Kamera Werk - München Germany" eingeprägt war. Außerdem waren die Entfernungsskalen in "feet" angegeben. Sie wurden von Ansco, Binghamton, USA in den Vereinigten Staaten vertrieben, mit denen AGFA bereits 1928 bis Kriegsbeginn fusioniert hatte.

Karat IV

Da es sich herausgestellt hatte, dass die Käufer keinen Wert mehr auf den kurzen Karat Film legten, der auch nicht überall und in allen Varianten und Graduationen erhältlich war, baute Agfa nur noch Karat Kameras für Kleinbildfilm. Die Karat IV (Modelle mit den Bezeichnungen I, II oder III hatte es nie gegeben) war hauptsächlich für den Export gedacht. 80% der Produktion ging ins Ausland.

Karomat 36 und Ansco Karomat

Der Name Karomat bezeichnet alle Karat 36, die über den großen Teich gingen. Dazu gehören die allerersten Kameras, die nach dem Krieg gebaut und ausschließlich für den amerikanischen Markt produziert wurden. Agfa und Ansco aus den USA versuchten die fruchtbare Zusammenarbeit von vor dem Krieg wieder neu zu beleben: neue Filmrezepturen aus den USA und Deutsche Qualitätskameras für den Großen Bruder. Diese Kameras waren nicht eben billig: die Karamat mit einem 2,8er Xenar kostete 112,50 $, die mit einem 2,0er Objektiv sogar 125.- $.


KAMERAS FÜR DEN AGFA KARAT FILM

Abbildung

Typ

Baujahr

Objektiv

Verschluss

Gehäuse

ArtDeco

1936 -1938

Igestar 6,3/50

Agfa Automat

Trolitan*)

später Aluminium, teilweise schwarz lackiert

*) Kresolformaldehyd

Karat 6,3

1939 - 1941

Jgestar 6,3/55

Agfa Automat

Aluminium, teilweise schwarz lackiert

Karat 4,5

1939 – 1941

Oppar 4,5/55

Pronto

Aluminium, teilweise schwarz lackiert, die letzten Serien mit Tragösen

Karat 3,5

1938 - 1941  

und

1946 - 1948

Solinar 3,5/50

Compur 

oder

 Compur Rapid

Aluminium

Karat 12

1948 - 1952

Xenar 2,8/50

Compur Rapid

Neue Form, Metallblech, vernickelt

 

KAMERAS FÜR DIE 35mm KLEINBILDPATRONE

Abbildung

Typ

Baujahr

Objektiv

Verschluss

Gehäuse

Karat 36

1951 - 1956

Heligon 2/50

Xenon 2/50

Solagon 2/50

Compur Rapid

oder

 Synchro Compur

Metallblech, vernickelt

Agfa Karomat

Karomat 36

Ansco Karomat 36

1949 - 1953

( Exportversionen

der Karat 36 )

Heligon 2/50

Xenon 2/50

Xenar 2,8/50

Compur Rapid

oder

 Synchro Compur

Metallblech, vernickelt

Karat IV

1954 - 1957

Heligon 2/50

Solinar 2,8/50

Solagon 2/50

Xenon 2/50

Prontor SVS

Metallblech, vernickelt

 

 

 

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