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Kodak Retinette (Typ 147)

Die Urmutter aller Reinetten

Eine preiswerte Alternative zur Retina Typ 149

Wer vor dem 2. Weltkrieg die 75.- RM für eine Retina nicht bezahlen konnte oder wollte, dem stand ab 1939 die Retinette Typ 147 für 35.- RM zur Verfügung, soviel wie eine komplette KdF - Reise im Durchschnitt kostete. Sie war die einzige Retinette, die vollkommen eigenständig konstruiert worden war, basierend auf alte Entwürfe einer Vollenda. Auf den ersten Blick fällt auf, dass sich die Objektivklappe nach unten öffnet und nicht, wie bei allen anderen Retina und Retinette Klappkameras zur rechten Seite hin. Darüber hinaus ist der Sucher mit dem Zählwerk in einem aufgesetzten Blechgehäuse untergebracht, welches den Transportknopf nicht mit einschließt, ist also nicht integriert. Das Kameragehäuse ist auf der Vorderseite seitlich zur Objektivklappe leicht nach vorne geschweift und nicht glatt & eben, wie bei allen anderen Modellen. Diese Retina gab es in Schwarz, in Schwarz oder in Schwarz. Das Modell oben hat wohl mal jemand "freigelegt" weil ihn die abgestoßenen Kanten des lediglich lackierten Gehäuses zu armselig erschienen. Die nachfolgenden Retinette Modelle - es folgten nur noch drei - hatten zumindest das Kameragehäuse mit der Retinaserie gemeinsam. Man hatte wohl befunden, dass eine komplette Parallelserie zu aufwendig sei. Nur Objektive und Verschlüsse, ohnehin die teuersten Bausteine, kamen fortan aus dem Preiswertsektor. Es gab wohl einige, deren Budget nicht für die große Schwester ausreichte und die sich für eine Retinette entschieden. Schließlich lag das Durchschnittseinkommen eines Deutschen zu der Zeit bei 150.- RM.  Von dieser Kamera hier sind 1939 - 1940 nur etwa 12.000 Stück gebaut worden, entsprechend selten ist sie heute zu finden. Insgesamt gab es nur vier Grundtypen von Retinetten mit Faltbalgen, je zwei vor und zwei nach dem II. Weltkrieg und diese dann jeweils in verschiedenen Ausstattungen. Zum Vergleich: es gab ein ganzes Dutzend Faltbalgen - Retinas vor und 16 nach dem Krieg. Ende der 50er folgten wohl noch etliche Modelle von Retinetten mit fest montiertem Objektiv, aber das ..... ist eine andere Geschichte.

„Aus einer zeitgenössischen Werbeanzeige:

"RETINETTE“
In der „Kodak-Retinette" findet der Amateur, der .sich dem weiten und verlockenden Gebiet der Kleinbildphotographie zuwendet, aber für den Anfang keine größeren Geldbeträge an­legen will, eine äußerst preiswerte Kamera, die ihm zum erstaunlich niedrigen Preis von RM 35,— eine Reihe von modernen Errungenschaften bietet. Das stabile, dabei äußerst kleine und formschöne Gehäuse der „Retinette" ist dauerhaft bezogen. Die Oberkante der Kamera trägt den optischen Fernrohrsucher, der das aufzu­nehmende Bild klar und hell zeigt, die automatische Filmzählscheibe, die auf einen Blick die Anzahl der gemachten und noch zu machenden Aufnahmen angibt und den bequem rechts liegenden Gehäuseauslöser. Das Objektiv der „Retinette" ist ein scharfzeichnender dreilinsiger „Kodak"-Anastigmat f:6,3. der durch eine Frontlinseneinstellung auf jede beliebige Entfernung zwischen Unend­lich und l m eingestellt werden kann. Der K-3-Verschluß der „Retinette" erlaubt Momentbelichtungen von 1/25, 1/50 und 1/100 Sek. und beliebig lange Zeitaufnahmen. Besonders wertvoll für den Amateur ist die Filmsperre der „Retinette", die Doppelbelich­tungen mit Sicherheit verhindert und den Weitertransport eines unbelichteten Bildchens unmöglich macht.


„Kodak"-Retinette
mit „Kodak"- Anastigmat f : 6,3, K-3-Verschluss RM 35,-
Zubehör:
Bereitschaftstasche mit Festhalteschraube RM 6,50
Lederbeutel, gefüttert RM 3,—
Gelbfilter zum Aufstecken, hell und mittel je RM 2,-
Grünfilter RM 3,50
Orangefilter RM 3,50
Vorsatzlinse I für Nahaufnahmen von 103—51 cm. RM 4,50
Vorsatzlinse II für Nahaufnahmen von 66—40 cm RM 4,50
Vorsatzlinse III für Nahaufnahmen von 40—29 cm RM 4,50
Sonnenblende RM 1,60
Drahtauslöser mit Feststellvorrichtuug RM -,80

Die breite Masse machte KdF Reisen und konnte im günstigsten Fall noch die 35,- Reichsmark für eine Retinette zusammenkratzen.

Die Arrivierten konnten sich schon etwas besseres leisten. Wer ein Auto sein eigen nannte, konnte leicht 75.- RM für eine Retina verschmerzen.

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