Die Geschichte der Firma Zeiss Ikon

Dresden - Jena

 

Stuttgart - Oberkochen

 

Carl Zeiss Jena - 1910

Die Zeiss Ikon AG war jahrzehntelang das größte und bedeutendste Unternehmen der deutschen optischen Industrie. Die Zeiss Ikon AG entstand 1926 aus einer Fusion von vier bedeutenden deutschen Herstellern optischer Geräte:

Contessa-Nettel AG in Stuttgart

Ernemann AG in Dresden

Optische Anstalt C. P. Goerz in Berlin

Ica AG in Dresden

Das "Ikon" im Namen ist eine Kombination aus "Ica" und "Contessa-Nettel", fast identisch mit "Eikon", dem griechischen Wort für Bild. Treibende Kraft hinter dieser Unternehmens-Fusion war Carl Zeiss, daher das "Zeiss" im Namen, damals wohl der bedeutendste Objektivhersteller der Welt. Carl Zeiss wollte einen großen, wirtschaftlich gesunden und starken Super-Kunden für seine Objektive. Und mit Hilfe von Carl Zeiss schuf Zeiss Ikon eine ganze Welt sehr erfolgreicher optischer Produkte aller Art. Besonders berühmt wurden Zeiss Ikon Kameras wegen ihrer innovativen Technik, exzellenten Fertigungsqualität und hervorragenden Objektive. Schon weniger als 15 Jahre nach seiner Gründung war Zeiss Ikon AG die weltweit bedeutendste Autorität bei hochwertigen Kameras. Zeiss Ikon Kleinbild-Messsucherkameras galten als die edelsten der Welt.

Die Carl-Zeiss-Stiftung in Jena und das zu ihr gehörende optische Unternehmen Carl Zeiss Jena hatten die Gründung der Zeiss Ikon AG im Kampf um Weltmarktanteile betrieben. Schon 1905 hatte die Stiftung Grundlagen für eine Konzernbildung gelegt. Der gefährlichste Konkurrent von Zeiss auf optischem Gebiet war Goerz. Zeiss übernahm daher Goerz, vor allem auch um den drohenden Einstieg von Kodak zu verhindern. Die Fusion hatte zu einer Konzentration geführt: Von 100 Grundmodellen im Jahre 1927 blieben 1929 nur noch 47 übrig. 1938 reduzierte sich die Anzahl auf 14 Modelle, darunter die erste Nettar. Bahnbrechende Innovationen leistete Zeiss Ikon im Bau der Ernemann Kinomaschinen, der Fachkinobereich lag zwischen 1927 und 1938 bei 14 Prozent. Die einäugige Spiegelreflexkamera Contax S war schon während des Krieges unter dem Namen Syntax konstruiert worden. Zeiss Ikon stellte 1932 die weltweit erste Kleinbild-Messsucherkamera (Contax) vor, während in demselben Jahr Teile des Goerz-Werkes durch ein Großfeuer zerstört wurden; die Produktion wurde daher zeitweilig nach Berlin-Friedenau verlagert. Bereits 1933 richtete sich der Konzern auf die neuen Machthaber ein und brachte die Baldur heraus, eine nach dem NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach benannte Boxkamera für das Aufnahmeformat 4,5x6 cm.

Zeiss Ikon Dresden - 1935

Der Duce am Zeiss Fernrohr 1941

1934 folgte mit der Super Nettel eine Klappkamera mit Schlitzverschluss auf Basis der Contax und 1936 die Contaflex, eine der ersten Spiegelreflexkameras für den Kleinbildfilm. 1938 stellte Zeiss Ikon die Tengor II vor, eine überarbeitete Goerz Box-Tengor für das Aufnahmeformat 6x9 cm. Ab 1940 wurde die gesamte deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft umgestellt, Zeiss Ikon konnte als einer der wenigen Kamerahersteller noch zumindest Sonderserien der so genannten Kriegs-Tengor 54/2 und der Tengoflex bis 1944 ausliefern. Die Dresdner Zeiss-Ikon-Werke fungierten in der Nazizeit mit rund 6.000 Mitarbeitern als größter Rüstungsbetrieb der Stadt. Neben zahlreichen Zwangsarbeitern (v. a. russischer Herkunft) war hier die 400 Mitarbeiter starke jüdische Abteilung bemerkenswert. Einerseits war die Behandlung der Juden recht gut, andererseits setzten sich die Werkleitung zusammen mit der Wehrmacht Mitte Januar 1942 erfolgreich gegen die von der NSDAP beschlossene Deportation der Juden nach Auschwitz zur Wehr; die Werkleitung drohte damit, das Werk in diesem Fall zu schließen.

1945 wurden die Werke in Dresden und Berlin (sog. Goerzwerke) zerstört und teilweise demontiert, die Werke in Jena kamen zunächst besser davon. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Zeiss Ikon teilweise auf im Unternehmen Pentacon, Dresden, die mit den Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch aus Niedersedlitz zusammengelegt wurden. Hergestellt wurden in der Nachkriegszeit unter anderem Sicherheitsschlösser und Kameras; Mittelformat- beziehungsweise Boxkameras im Format 6x6 cm wurden allerdings nur noch von 1951 bis 1956 hergestellt; das letzte Modell dieser Art von Zeiss Ikon war die Turbo-Tengor 56/2. 1948 wurde der ostdeutsche Unternehmensteil enteignet und in einen Staatsbetrieb mit Sitz in Dresden umgewandelt (ab 1953 VEB Mechanik Zeiss Ikon, ab 1955 VEB Zeiss Ikon [4], während der westdeutsche Firmenteil unter der Bezeichnung Zeiss Ikon AG firmierte und seinen Sitz nach Stuttgart verlagerte. 1949 stellte der ostdeutsche Unternehmensteil in Dresden die weltweit erste Kamera mit Reflex-Prisma und nicht spiegelverkehrtem Sucherbild vor (Contax S).

Dresden 1945

Zeiss Ikon Stuttgart - 1960

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Jena für kurze Zeit durch US-amerikanische Truppen besetzt. Mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus Thüringen im Juni 1945 wurden auch zahlreiche Spezialisten sowie die amtierende Geschäftsführung gezwungen, Jena in Richtung Heidenheim (Baden-Württemberg) zu verlassen. Am 4. Oktober 1946 wurde in Oberkochen die Opton Optische Werke Oberkochen GmbH gegründet und ein neuer Produktionsstandort aufgebaut. Am 31. Juli 1947 wurde der Name in „Zeiss-Opton Optische Werke Oberkochen GmbH“ geändert. Am 1. Oktober wurde daraus die Firma "Carl Zeiss". In den 1950er Jahren wurde in Oberkochen eine umfassende Optikproduktion für Industrie- und Fotografieanwendungen aufgebaut. Der Sitz der Carl-Zeiss-Stiftung blieb in Heidenheim, ab 1954 als alleiniger Rechtsnachfolger der Carl-Zeiss-Stiftung der Vorkriegszeit. Die Carl-Zeiss-Stiftung beanspruchte die alleinigen Rechte am Namen „Carl Zeiss“, konnte diese jedoch nur außerhalb der RGW-Staaten durchsetzen. Für den Export in RGW-Staaten bestimmte Produkte führten den Namen „Opton“, außerhalb des RGW-Bereichs führten Produkte aus Jena den Namen „aus Jena“. Diese Abgrenzung der Namensrechte wurde 1971 im Londoner Abkommen festgeschrieben. Zeiss Ikon Stuttgart begann 1950 mit der Produktion der verbesserten Contax IIa.
Die Zeiss Ikon AG im Stuttgarter Contessa-Werk hatte bessere Ausgangsbedingungen als die zerstörten oder demontierten Dresdner Betriebe. Zudem verbot 1958 der Bundesgerichtshof dem Dresdner Unternehmen die Weiterführung des traditionsreichen Namens Zeiss Ikon. Da die Contax nach dem Kriege im ukrainischen Kiev - auf in Jena demontierten Anlagen - und in Stuttgart produziert wurde, konzentrierte sich das Dresdner Unternehmen auf die Contax-S, die schon 1948 in Stockholm vorgestellt worden war. Daraus wurde schließlich 1952 die "Pentacon" - zugleich Namensgeberin für den späteren DDR-Konzern. Die Geschichte dieses Volkseigenen Betriebs ist an anderer Stelle erzählt, sie endet 1990, als er als einer der ersten Betriebe der ehemaligen DDR abgewickelt wurde: zu groß waren die Verluste.

1956 wurde Zeiss Ikon mit Voigtländer in der Carl Zeiss Stiftung zusammengefasst, ein weiteres Werk in Schelklingen gegründet und das Zett-Geräte-Werk, Braunschweig, übernommen. Die Objektivproduktion wurde 1970 nach Braunschweig verlagert, die Kameraproduktion verblieb in Stuttgart; das Werk in Stuttgart wurde 1972 geschlossen und die Produktion von fotografischen Geräten vollständig eingestellt. Nachfolgebetriebe des ehemaligen Dresdner Kombinats VEB Pentacon beziehungsweise der Pentacon GmbH produzieren heute wieder Spezialkameras zum Messen und Digitalkameras, besonders für den chinesischen Markt. Zu den Nachfolgebetrieben gehören die Kamerawerk Dresden GmbH durch Rückübertragung an die Firma Noble und die Pentacon GmbH, die nach Insolvenz übernommen und weitergeführt wurde von Schneider/Kreuznach. In Jena und Oberkochen produzieren ganz unabhängig davon Jenoptik und Carl Zeiss. In Großbritannien gibt es die Praktica (GB) Ltd, eine Tochter der Pentacon GmbH.

Pentacon Dresden - 1970

Die neue Zeiss Ikon

1989 wurde die Zeiss IKON AG von dem finnischen Unternehmen Abloy OY übernommen; seitdem firmiert der Hersteller unter der Bezeichnung IKON AG. Heute gehört das Unternehmen zum finnisch-schwedischen Assa-Abloy-Konzern. Im Januar 2003 wurde die Firma in die IKON GmbH umgewandelt. Seit dem 1. April 2005 ist die IKON GmbH fusioniert mit der Firma eff eff aus Albstadt zur nun ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH, die sich ausschließlich mit der Herstellung und dem Vertrieb von mechanischen und elektromechanischen Schließsystemen und Türöffnungs- und Verschlussprodukten beschäftigt, mit Hauptsitz in Albstadt und Werken in Berlin und Albstadt, verschmolzen.

2005 gab es eine unerwartete Wiederbelebung der Marke Zeiss Ikon (ZI). Unter diesem traditionsstarkem Namen kehrte Zeiss zurück zum Kamerabau und zwar jenseits der vorherrschenden Trends der kurzlebigen Digitalkameras. Die neue ZI ist eine völlig neu entwickelte klassische Messsucherkamera mit hochwertigen Wechselobjektiven (kompatibel zu Leica M). Diese Kamera repräsentiert einerseits die Rückbesinnung auf die wesentlichen Qualitätsmerkmale der Zeiss-Geschichte, andererseits ist sie für zukünftige (digitale) Entwicklungen völlig offen. Sie wurde von Zeiss, Oberkochen entwickelt (Design stammt vom Büro Henssler & Schultheiss), ihre Serienfertigung findet in Japan bei Cosina statt.

 

 

 

Copyright © Reinhard Krahé