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Zeiss Ikon Contessa 35  (533/24)

Das Beste - und das Teuerste - was Zeiss 1950 zu bauen imstande war

Nettel Contessa von 1920

Der Name "Contessa" war eigentlich eine Typenbezeichnung des Contessa Werk August Nagel aus Stuttgart, welches im Jahr 1919 mit dem Nettel Camera Werk aus Sontheim zur Contessa Nettel AG fusionierte. 1926 schloss dieses sich mit noch weiteren Werken mit Carl Zeiss Jena zur Zeiss Ikon AG zusammen. Bis zum Krieg entstand da so manche "Contessa", zunächst als Platten- später als Rollfilmkamera. Allen gemeinsam war, dass sie auf Grund ihrer präzisen Verarbeitung, sowie der guten Objektiv- und Verschlussbestückung zur Kameraoberklasse gehörten, was natürlich auch den Preis betraf. Somit steht der Name "Contessa" seit Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl für Qualität als auch für Luxus.
1932 brachte die Zeiss Ikon AG eine Kleinbild-Messsucherkamera auf den Markt, die ab 1936 als Contax I bezeichnet wurde. Sie war als Konkurrenz zur Leica II konzipiert, verfügte aber bereits über ein Objektivbajonett und einen Verschluss aus Metalllamellen. 1934 kam dann die etwas preiswertere Faltbalgenkamera Super Nettel ebenfalls mit dem Schlitzverschluss der Contax und auf den Markt. Dazu besaß sie einen auf einer Standarte montierten gekoppelten Drehkeilentfernungsmesser ähnlich dem der Super Ikonta (und dem der Nachkriegs Contessa 35). Bestückt war sie mit Objektiven Triotar oder Tessar. Zwei Jahre später wurde sie noch einmal überarbeitet. War das Gehäuse zunächst schwarz lackiert und die Bedienelemente Messing vernickelt, so glänzte die Super Nettel II schön verchromt. Die Stückzahlen waren allerdings nicht sehr hoch, von der Super Nettel II waren es nur rund 2.000 Einheiten, insgesamt dürften kaum mehr als das Zehnfache gebaut worden sein. Wohl deshalb war im Jahr 1938 Schluss mit der Produktion, man konzentrierte sich nun auf die Contax.
Schon 1949, also kurz nach der Währungsreform kam Zeiss mit der neu entwickelten Kleinbild-Faltkamera >>>Ikonta>>> heraus. Mit einem Entfernungsmesser versehen, wurde sie zur Mess-Ikonta 524/24, die im Ausland als Contina II verkauft wurde. Es heißt, dass diese elegante Kamera die letzte Arbeit des legendären Konstrukteurs Hubert Nerwin war, bevor er von Zeiss Ikon zu Graflex in die USA ging.
Das Flaggschiff der 50er jedoch war die Zeiss Contessa 35. Sie hat einen eingebauten Belichtungsmesser und einen Drehkeil Entfernungsmesser, der mit dem Objektiv gekuppelt ist, ähnlich wie schon die Super Ikonta von 1938 (siehe rechts), welche mit 310.- RM schon damals auch preislich zur Oberklasse gehörte. Nun aber schlägt Zeiss richtig auf den Preis! Ein Normalverdienender der Nachkriegsära hätte gleich mehrere Monatslöhne hinblättern müssen um dieses Prachtstück zu erstehen. Hätte! Wenn er gekonnt hätte! Das Klientel für diese Kamera ist schnell ausgemacht. Die Stückzahlen hielten sich deshalb stark in Grenzen. Aber mit dem Nimbus bei Kameras verhält es sich genauso wie bei dem der Autos: Über ein Borgward Isabella Coupé sind Bände geschrieben worden, der viel häufiger anzutreffende LLoyd LP 300 findet kaum Erwähnung in der Literatur. So stolpert man allenthalben über Lobpreisartikel zur Contessa 35, während eine Zeiss Box namens Tengor - die Kamera für und von jedermann - in der Literatur nur sehr stiefmütterlich behandelt wird.
Die 1950 auf den Markt gebrachte Kleinbild-Mess-Sucher Kamera Contessa 35, besaß ein Tessar Objektiv, den Synchro Compur Verschluss, einen eingebauten Belichtungsmesser, und einen Drehkeil Entfernungsmesser. Die Firma Zeiss trat damit gegen Kodak an, war jedoch mit ihrem Verkaufspreis von weit mehr als 400.- DM bei weitem nicht so erfolgreich wie die halb so teuere Retina Serie, welche - zugegeben - zunächst nicht die Ausstattung wie die Contessa besaß. Zudem waren Ende der 50er Faltkameras aus der Mode gekommen, auch alle anderen Mitbewerber stellten auf Sucherkameras mit fest montierten Objektiven um. Nach einer Versuchsserie brachte Zeiss Ikon nun die neue Contessa auf den Markt und in kurzer Folge erschienen etliche Modellvarianten, welch nun mit Voigtländer und Agfa als Konkurrenten den gehobenen Amateurmarkt beherrschten.

>>>> Nachfolgemodelle der Contessa >>>>

Nettel Contessa von 1926

Super Nettel I von 1934

Super Ikonta

Super Nettel II von 1936

Contessa 35

       
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