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Kodak Retina I (Typ 119)

Dritte Retina, nun ganz auf Erfolgskurs

1927 übernahm Kodak den Filmhersteller Glanzfilm AG in Berlin-Köpenick sowie Ende 1931 auch das Kamerawerk Dr. August Nagel in Stuttgart-Wangen; die in Deutschland gefertigten Kameras trugen daher in der Anfangszeit den Zusatz Dr. Nagel-Werk Stuttgart.Ab Mitte der 1930er Jahre wirbt Kodak in Prospekten – wohl um antiamerikanischen Ressentiments entgegenzutreten – mit Aussagen wie "Deutsch die Kamera", rühmt sich, "1500 Volksgenossen Arbeit und Brot zu geben" und behauptet, nur "beste einheimische Rohstoffe" zu verarbeiten.*) Ab 1940 stellt das Kodakwerk in Stuttgart dann auf Rüstungsproduktion um. 1946, also gleich nach dem II. Weltkrieg, ging die Produktion von Retina Kameras in Stuttgart-Wangen sofort wieder los. Diese Kameras waren beliebter denn je und es wurde noch mehr als in den Jahren zuvor produziert.

Von der Retina I - Typ 119 wurden zwischen 1936 und 1938 knapp 40.000 Stück gebaut.

 

Argus A (1936-1941)

Tja, und dann war da noch die Konkurrenz, die nun  allmählich aufwachte und die Bedeutung des neuen 35mm Films für den Markt erkannte.... Die meisten Firmen waren in Deutschland ansässig, hier wurden halt die besten Kameras gebaut. In meiner Sammlung finden sich etliche Vertreter und deren Bemühungen den Anschluss herzustellen. In den USA jedoch, dem Heimatland von Kodaks Kleinbildfilm, rührte sich nicht zunächst viel. Nur die Firma International Radio Corporation aus Ann Arbor in Michigan erkannte schon 1936 ihre Chance. Innerhalb einer kurzen Zeit stellte der Hersteller von Radios seine Produktion auf Kameras um und nannte sich fortan  International Research Corporation. Das Ergebnis war die Argus A, eine schlichtes Stück mit einem Bakelitegehäuse und aufgeflanschtem Argus Ilex Precise Anastigmat 50mm 1:4.5 (3 Elemente). Die Belichtungszeiten konnte man  verstellen ( T, B, 1/25, 1/50, 1/100, 1/200) doch beim Fokussieren hatte man nur zwei Einstellmöglichkeiten: nah und nicht ganz so nah. Diese Kamera - ihr sollten noch einige Modelle folgen - gilt als die erste für die neue 35mm Kleinbildpatrone in den USA und war sehr beliebt. Ihre Nachfolgerin, die Argus C - "The Brick" (Das Brikett) - galt als legendär.

Argus C3 - ab 1939

Argus A (1936-1941)

 

*) Die Nationalsozialisten verstanden es nach ihrer Machtübernahme, die Photographie als Mittel der Propaganda und als Werkzeug politischer Herrschaft gezielt einzusetzen. Im Kunstbereich hingegen spielte sie eine nur periphere Rolle und wurde eher als ein Handwerk angesehen. Um die Photographie im Sinne der Bildpropaganda am besten ausnutzen zu können, wurden die Arbeiten von Photographen durch das Schriftleitergesetz zensiert. Dieses trat am 1. Januar 1934 in Kraft und hatte die Gleichschaltung der Presse zum Ziel. Das Gesetz setzte fest, dass Photographen und Journalisten "Diener des Staates und Volkes" seien. Bilder und Artikel, die das NS-Regime in irgendeiner Weise negativ darstellten, durften nicht veröffentlicht werden. Um ihren Beruf weiter ausüben zu können, mussten Photographen dem "Reichsverband der Deutschen Presse" (RDP) angehören. Voraussetzung dafür waren die deutsche Reichsangehörigkeit, der Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte, die "arische Abstammung" - gegebenenfalls auch des Ehegatten -, die Vollendung des 21. Lebensjahrs, eine fachmännische Ausbildung sowie die Eignung für die "Aufgabe der geistigen Einwirkung auf die Öffentlichkeit". Berufsgerichte des RDP konnten auffällig gewordene Photographen verwarnen oder sie im schlimmsten Fall von der Berufsliste streichen, was die Weiterleitung ihrer Daten an die Geheime Staatspolizei (Gestapo) bedeutete.

 

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