Unser Dank gilt den eigentlichen Urhebern dieser Seiten: Schweinfurt und Lotte. Einmal die Stadt, in der wir seit knapp zwei Jahrzehnten als Zugereiste leben und die wir so sehr schätzen gelernt haben.  Zum anderen unser drittes Familienmitglied, eine hellwache, immer gut gelaunte und unternehmungslustige Hundedame. Schweinfurt bietet auf stadtnahem Terrain eine erstaunliche Vielfalt von Landschaftsformen und der damit verbundenen Flora und Fauna. Und mit unserer Lotte ziehen wir jeden Tag auf mehr oder weniger ausgedehnte Spaziergänge, bei denen immer mindestens eine Kamera dabei ist. Folgerichtig entstehen die meisten unserer Aufnahmen in unserer Wahlheimat und nicht in fernen Ländern. Und mittlerweile fragen wir uns ernsthaft was die spektakuläreren sind. Die besseren, weil uns lieberen, sind die Schweinfurter Fotografierereien ohnehin.

Ob Sommer oder Winter, Regen oder Schnee...

 

Unsere Fotografierereien

oder:

Wer unbedingt etwas zum Lesen braucht

 

Natürlich sind Aufnahmen von Eisbergen im Nordlicht imposant. Auch "The Big Five" mit einem Supertele hautnah herangezoomt machen sich gut, wenn man als Fotoamateur etwas darstellen will. Für Romantiker besitzt ein Sonnenuntergang über Angkor Wat einen Wohlfühlgenuss mit Fernwehbonus. Zumindest aber sollte es ein restlos verpenntes Dorf irgendwo am Ende der Zivilisation sein, bei atemberaubendem Licht aufgenommen versteht sich. Und mit schnöden Makroaufnahmen braucht man sich gar nicht weiter aufzuhalten. Wenn schon, dann Mikro-Super-Hochgeschwindigkeits-Aufnahmen im polarisierten Licht.

Ich muss gestehen, dass ich lange Jahre genau diesen Ehrgeiz hatte. Dazu noch kamen People-, Akt- und Table Top Aufnahmen. Der Fotoamateur: ein Allroundgenie? Die meisten Menschen jedoch haben Familie, einen Job und vielleicht noch so dies und das, was eben auch noch läuft. Also bleibt meist nur der Urlaub. Und da soll es natürlich fotografische Ergebnisse erster Klasse regnen.... Immerhin habe ich in den über fünfzig Jahren, die ich fotografiere (und male), meinen Blick geschult, technisch komme ich noch halbwegs mit und ich habe mir eine gut funktionierende Routine angeeignet. Also brauche ich nur noch jemanden, der mir ein  World Wide Ticket  spendiert und für die Nebenkosten aufkommt. Dann sollten die exotischsten Bilder kein Problem mehr darstellen. Allerdings ist es vielleicht auch gar nicht so einfach in Castrop Rauxel einen Birnbaum gescheit abzulichten. Oder die 83jährige Nachbarin beim Wäscheaufhängen in Kleindettelsau, ein gewöhnliches Huhn bei Steinach, kichernde Teenager nachts vor einer dörflichen Disco......das gemeine heimische Alltägliche eben. Das gerade durch ein gescheites Bild aus seinem ordinären Raum- und Zeitgefüge heraus sticht.

Meine beste Frau aller Zeiten, die sich erfreulicherweise ebenfalls für das Fotografieren begeistert, sowie meine Wenigkeit haben, obwohl wir nicht zur Fotoballerei neigen, eine Jahresfotoausbeute im fünfstelligen Bereich. Wir mühen uns mit mehreren Kameras, Objektiven, Blitzen, Stativen und mancherlei weiterem Zubehör etwas Gescheites zuwege zu bringen. Dabei ergänzen wir uns hervorragend obwohl - oder gerade weil - wir unterschiedliche Sichtweisen haben. So ist meine beste Frau aller Zeiten eher der Telemensch mit dem selektiven Blick während ich zu gestaffelten Kompositionen neige. Darum liegen die Lieblingsbrennweiten meiner besten Frau aller Zeiten bei 300mm, ich begnüge mich hingegen mit dem zehnten Teil davon. Was natürlich nicht heißt, dass es nicht auch Ausnahmen gibt.

Bei der Sichtung der Ergebnisse fällt aber immer wieder auf, dass wir sehr viel mehr im Laufe des Jahres in unserer unmittelbaren Umgebung fotografieren als während der ohnehin kurzen Urlaubszeiten. Allerdings haben wir IMMER einen Fotoapparat  in der Tasche,  jeder von uns.  Auch wenn wir nur kurz mit dem Hund raus gehen. Ich praktizier das übrigens schon seit 1972. Nach dem Motto: die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Zunächst war es die geliebte Rollei 35, später rückten ähnlich Kompakte aus Plaste nach.  Danach folgte digitales Werkzeug, das immer besser wurde. Handykameras allerdings erfüllen den Zweck nicht, finde ich. Deshalb kommen  wir  auch mit billigen Mobiles ohne Kamera aus. Wenn wir am Sonntag raus fahren um Körper Seele, Geist und unseren Hund zu lüften, schleppen wir auch schon mal größeres Besteck mit. Weit haben wir es da nicht, wohnen wir doch da, wo andere Urlaub machen. Auch wenn Schweinfurt als Industriestadt bekannt ist, so liegt sie doch in einer Gegend voller Natur.


... es ist immer Fotografierzeit.